Symptome bei Autismus und Spielorientierte Sprachtherapie (SOS-A)

Autistische Kinder zeigen folgende Symptome: Sprachentwicklungsstörungen (sie sprechen nicht, unverständlich, sprechen Wörter/Sätze nur nach oder sie sprechen wenig Wörter, verbleiben lange auf der Einwortebene), Einschränkungen der sozialen Interaktion und Kommunikation, Unfähigkeit, Beziehungen zu Gleichaltrigen aufzubauen, Mangel an sozio-emotionaler Gegenseitigkeit, stereotypes und repetitives Verhalten (z.B. Handwedeln, Fingerstereotypien, stereotypes Hantieren mit Gegenständen wie Wasser oder Sand rieseln lassen), Aufmerksamkeitsstörungen, Gedächtnisstörungen, Störungen der exekutiven Funktionen (geistige Fähigkeiten, die das menschliche Denken und Handeln steuern) und eine unterentwickelte zentrale Kohärenz (Fähigkeit, einzelne Sinneseindrücke aus dem Umfeld als als stimmiges Ganzes wahrzunehmen, Unwichtiges auszublenden und Wichtiges zueinander in Bezug zu setzen, was auch für die Wahrnehmung von Sprache wichtig ist) . Bereiche wie Wahrnehmung, Aufmerksamkeit, Motivation sowie gute Gedächtnisleistungen sind wichtige Voraussetzungen für die Annahme und Verarbeitung des Sprachangebots und sollten daher in der Therapie berücksichtigt werden. Vor der Therapie wird eine Analyse der Ressourcen des Kindes gemacht: Welche stereotypen Vorlieben (für spezifische Themen) hat das Kind? Auf welche Reize/Objekte/Tätigkeiten richtet das Kind seine Aufmerksamkeit? Welche Handlungen kann es selbstständig anstoßen und ausführen ? Welche motorischen Fähigkeiten oder Schwierigkeiten hat das Kind? Welche Kommunikationsversuche (z.B. emotionales Lautieren, Nachsprechen von Wörtern oder über den Tastsinn) unternimmt das Kind jetzt schon? Da autistische Kinder Sprache anders (nämlich autismusspezifisch) verarbeiten, muss das Sprachangebot genau darauf abgestimmt werden. In der „Spielorientierten Sprachtherapie bei Autismus (SOS-A)“ richten sich Ort und Handlungen an den Interessen des Kindes. Verhaltenstherapeutische Elemente der operanten Verstärkung (Verhalten, das sich als günstig oder angemessen erweist, wird auch wieder oder häufiger gezeigt), der Modulation (von einer Tonart in die andere übergehen) und der Erzeugung von Hinweisreizen haben sich in der Therapie von Autismus als effektiv herausgestellt. Wichtig ist, dass das autistische Kind in der Therapie seine Kommunikationsversuche als erfolgreich erleben kann und den Sinn des kommunikativen Aktes versteht (z.B Eine stimmliche Äußerung des Kindes bewegt die Therapeutin dazu, den Kreisel sofort zu drehen). Nur so kann es zu einer Generalisierung der Kommunikation auf andere Situationen kommen. Kommunikationsanlässe sowie emotionale Inputs können durch Störungen geboten werden (z.B. kann die Therapeutin mit ihrer Hand den fahrenden Zug stoppen, es können Unfälle mit der Bahn wiederholt werden oder dem Kind wird ein kompliziertes, schwer aufziehbares Auto gegeben). Nur wenn die Therapie an den Interessen und Defiziten des Kindes ausgerichtet ist, es Spaß an der Spielhandlung hat und auch gerne gemeinsam mit der Therapeutin Hürden auf einem kommunikativen Weg überwindet, kann es auch Kommunikationsfreude entwickeln, die eine wichtige Voraussetzung für weitere Entwicklungsschritte ist.  Auch die Eltern können sich wesentliche Handlungsmuster des kommunikativen Spielens von der Therapeutin abschauen und somit in den Therapieverlauf miteinbezogen werden.

 

(Quelle: Kristin Snippe im Forum Logopädie Heft 1, S 12-14 , Januar 2016)

 

 

 

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